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Herr, komme mir nah!

Psalm 139

Während der Corona Pandemie wurde Abstand gefordert. - Unsere Bänke im Gemeindehaus wurden auseinander geschoben.

- Begrüßungen wurden auf Abstand und ohne Körperkontakt vollzogen.

- Und überall in den Läden wurden Schilder mit „Achtung 1,5m Sicherheitsabstand einhalten“ angebracht.


Distanz wurde zu einem wichtigen Gebot unseres Zusammenlebens.

Ich war in dieser Zeit im Baumarkt und da waren Abstandshalter am Boden vor der Kasse angebracht. Und da war ein Ehepaar, die sich mit einem ziemlich großen Abstand zur Kasse anstellten. Sie schauten noch in den Regalen nach, sodass es so aussah, als wäre die Kasse frei. So bin ich an ihnen vorbei gehuscht und stellte mich an. Plötzlich fuhren Sie mich an, was mir denn einfallen würde. Sie waren so erbost darüber, dass man meinen könnte ich habe ihnen die Brieftasche geklaut.

Freundlich entschuldigte ich mich und fuhr mit meinen Wagen wieder ein paar Meter zurück.


Diese Distanz führt in einigen Menschen zur Unfreundlichkeit, Herzenskälte und Lieblosigkeit. Und ich denke, dass es ein Stückweit mit der Angst begründet ist.


Der Psalmist David wünschte sich auch einmal einen Sicherheitsabstand von Gott.

Der Psalm 139 beginnt damit, dass David erkennt wie nah Gott ihm kommt. In den Versen 1-6 begreift er die Allwissenheit Gottes: In V.1 lesen wir: „Gott erforscht mich und kennt mich“

Gott, der Herr ist der Schöpfer der Erde und des Universums. Er hält alles in der Hand und führt seinen Ratschluss aus. Und trotzdem kennt er jeden einzelnen Menschen ganz genau, bis in die Haarspitzen. In den nachfolgenden Versen lesen wir:

Er weiß alles, - ob wir sitzen oder stehen, - ob wir gehen oder liegen

Gott sieht mich immer und überall. Er sieht das ganze Leben und ist sogar mit unserer Gedankenwelt vertraut. Was wir denken, was wir reden und auch unsere Motive. Nichts ist ihm verborgen!

In Vers 3 schreibt David sogar: Gott beobachtet mich!


Das ist ganz schön einschüchternd, nicht wahr? Weißt du, dass Gott alles über dich weiß und dich durchleuchtet? Ich weiß nicht, wie du dein Leben führst und ich denke jeder von uns hat seine Privatsphäre. Dinge, die niemanden etwas angehen. Doch Gott kommt in deine Privatsphäre hinein und beobachtet dich. Die Coronazeit ist eine isolierte Zeit. Eine Zeit, die außergewöhnlich ist und uns aus unserem Alltag und Sicherheitsbereich entfernt. - Da werden Dinge gemacht, die man sonst vielleicht nie machen würde.

- Da entsteht vielleicht Streit und Lieblosigkeit - Da gehen Gedanken durch unsere Köpfe, die hässlich und abscheulich sind. Gott erforscht dich und kennt dich. Er kommt dir ganz schön nah. Näher als du es dir vielleicht wünschen würdest.

David kommt bei dieser Erkenntnis zu dem Entschluss:

V.6 "Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar, zu hoch, als dass ich sie fassen könnte!"

Er sagt: Gott, dass du mich so kennst, übersteigt meinen Verstand und meine Vorstellungskraft. Das ist mir einfach zu hoch, ich kann es nicht begreifen! Dieses Bewusstsein über die Allwissenheit Gottes, macht uns schwindelig. Wenn wir Vers 5 lesen und im Urtext forschen, dann merken wir, dass diese ersten 6 Verse nicht nur aus Bewunderung geschrieben worden sind. In der Schlachterübersetzung heißt es „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“

Neuere Übersetzungen dichten auch noch „schützende Hand“ in diesen Text hinein. Und das stimmt zum Teil auch. Gott legt Hand an, um uns zu schützen, zu bewahren und zu gestalten. Aber, was David hier eigentlich zum Ausdruck bringen will, wird in der Elberfelder besser übersetzt und transportiert:

„Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, du hast deine Hand auf mich gelegt.“ Das Wort, dass hier im Urtext gebraucht wird, bedeutet so viel wie: „Du belagerst mich“. So wie ein Kriegsheer sein feindlichen Gegner einschließt und umlagert. Genauso fühlt sich David! - Du engst mich ein. - Du kommst mir zu nah.


Und vielleicht geht es dir auch so. Gott kommt zu nah in dein Leben hinein.

- Er will vorne und hinten bei dir sein.

- Er will deine Vergangenheit und Zukunft sein.

- Seine Hand will dich verändern!

Doch vielleicht passt es dir nicht, weil du selber die Zügel in der Hand haben möchtest.


In den Versen 7-12 erkennt David nun, dass Gott nicht nur Allwissend ist, sondern auch Allgegenwärtig. Egal wo ich hingehe, Gott ist schon da. David schreibt in Vers 7 „Wo sollte ich hingehen vor deinem Geist, und wo sollte ich hin fliehen vor deinem Angesicht!“ Es gibt keinen Ort, an dem Gott nicht wäre.

In den nächsten Versen führt er den Himmel und das Totenreich an, doch auch da kann er Gott nicht entkommen. In der weitesten Entfernung, „so bist du auch da! stellt er fest.


Wir sind manchmal so töricht, dass wir meinen uns vor Gott verstecken zu können. Wenn es dunkel wird oder, wenn keiner da ist, der mich beobachten kann, dann meinen wir alleine zu sein.

Auf einer Hochzeit beobachtete ich, wie erwachsene Männer sich unter dem Tisch Schnaps eingossen. Sie meinten unter dem Tisch sieht Gott es nicht. Welch eine geringe Sichtweise über Gott! Es gibt immer einen, der dein Geheimnis auch kennt und miterlebt hat.


Ab Vers 13-18 erkennt David nun auch noch die Allmacht Gottes. Und hierbei passiert ein gewaltiger Umbruch bei David. Plötzlich wird David bewusst wie wunderbar die Wesenseigenschaften Gottes für ihn sind. Es ist immer wieder schön den Verlauf der Gefühlsregungen und Zurüstung in den Psalmen zu verfolgen.

David stellt Gottes unglaubliche Macht und Fähigkeit unter Beweis, indem er aufzeigt, wie er im Stande ist, das Leben im Mutterleib zu entwickeln. In Vers 16 schreibt David:

„Deine Augen sahen mich schon als ungeformten Keim und in deinem Buch waren geschrieben alle Tage, die noch werden sollten, als noch keiner von ihnen war.“

David war ein schöner Gedanke Gottes, schon bevor er existierte. Er ist gewollt und geschaffen mit einem Wert. Gott führt ein Notizbuch über das Leben Davids und alle seine Lebenstage sind abgezählt.


Uns sollte ganz warm ums Herz werden, denn Gott sagt das Gleiche über uns. Gottes Augen sehen nicht bedrohlich auf unsere Fehler, nein er schaut voller Liebe auf sein wunderbar erdachtes Geschöpf. Du bist sein. Du bist sein Werk und wertvoll in seinen Augen! Und das er dir so nah kommt liegt daran, dass er dich unendlich liebt.


David schreibt in den V.13-14

"Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!"


Erkennt das deine Seele auch?

Du denkst vielleicht, dass du mit deinem Leben machen kannst was du willst. Aber kennst du deinen Wert? Wenn du den teuersten und schönsten Schmuck der Welt hättest, würdest du ihn durch den Dreck ziehen?

Nein Gott kommt David so nah, weil er ihm teuer ist. Und das erkennt David hier. Er ist nicht eingebildet, wenn er sagt, dass er erstaunlich und wunderbar gemacht ist, sondern er schreibt dieses Werk Gott den Allmächtigen zu und dankt ihm aus seinem tiefsten Herzen dafür.


In den letzten Versen von V.19-24 huldigt David nun Gott.

Er stellt sich nun auf die Seite Gottes und geht auf Distanz zu den Menschen, die sich Gott widersetzen. All die Blutgierigen, die gegen Gott lügen und ihn hassen. All diejenigen, die Gott gegenüber Feind sind. Er entwickelt sogar einen Hass gegen die Feinde Gottes.


Was hier passiert ist, dass David sein Sicherheitsabstand zu Gott aufgibt und ihm ganz nah kommt. Jakobus beschreibt eben genau diese Lage in Kapitel 4,8:

"So unterwerft euch nun Gott! Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch; naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch! Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, die ihr geteilten Herzens seid!"


Gott liegt viel daran, an unseren Herzen zu arbeiten.

Viele Dinge die passieren, sind anders wie wir Sie uns vorstellen oder erwarten würden. Doch, HALT! Wir erforschen nicht Gottes Wege, sondern er erforscht unsere Wege.

Der Teufel versucht uns durch Lügen und Betrug in eine Abwärtsspirale zu ziehen. Er versucht uns zu fangen und zu verstricken, festzuhalten und zu binden.

Jakobus nennt uns hier nun fünf Schritte der Befreiung:

1. "Unterwerfe dich Gott." - Das meint, egal was passiert oder wie es dir geht, setz dich bewusst und freiwillig der Autorität des Herrn Jesus Christus aus.

--> David erkennt die Allwissenheit, Allgegenwart und Allmacht Gottes und bejaht sie.


2. "Widerstehe dem Teufel." - Stellung beziehen und zum Kämpfen bereit sein.

--> David tritt aus der Finsternis heraus und Gottes Feinde, werden zu seinen Feinden.

Nun hasst er alles, was Gott entgegensteht.


3. "Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch!" - Wenn wir Davids Psalm lesen werden wir regelrecht mitgenommen in die Nähe Gottes und Gott verwandelt Davids Herz.

Noch deutlicher wird dieser Wandel am Ende des Psalms dargelegt.

Und bevor ich die letzten zwei Schritte aufzeige, möchte ich noch die letzten Verse aus diesem Psalm lesen. David kommt zum Schluss und schreibt:

"Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; und sieh, ob ich auf bösem Weg bin, und leite mich auf dem ewigen Weg!" Nun lädt David den Herrn ein sein Herz zu prüfen und seine Absichten zu erkennen. Er will sich von seinem Herrn läutern lassen und der Herr soll sein Weg bestimmen.


Der vierte Schritt, den uns Jakobus nennt ist:

4. "Reinigt die Hände, ihr Sünder." - Das meint so viel wie, kehrt um von der Sünde. Tretet aus der Finsternis heraus und fliehe nicht mehr vor Gott.

--> David legt sein Herz offen und bittet Gott ihm, seine bösen Wege aufzuzeigen. Reinigung beginnt damit, sich in das Licht Gottes zu stellen und das Gott uns unsere Fehler aufzeigt.


5. Und der letzte Schritt ist: „heiligt eure Herzen, die ihr geteilten Herzens seid“ - Es ist die ungeteilte Übergabe des Steuerruders im Leben.

- David bittet Gott wieder die Leitung in seinem Leben einzunehmen. Einen Weg der zur Ewigkeit führt.

Ich möchte uns heute ermutigen: Jesus Christus nah zu kommen. Ihn nicht auf Abstand zu halten.

Sondern lass ihn ganz nah an dich ran, damit er dich in sein Ebenbild verändern kann. David erkannte Gottes Allwissenheit, Allgegenwart und Allmacht und Dankte ihm dafür. Auch wir wollen ihm danken.


In Jesus Namen

Amen.

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